Archiv der Kategorie: Wein

Ich hatte da mal was begonnen, im Sommer 2013 :-)

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Ein 1/8 Hopf – Orange Wines

Ein herzliches Grüß Gott, liebe Leser.
Wie angekündigt, darf ich Sie heute zum ersten Mal in das Vinoversum entführen. Beginnen möchte ich mit einem sehr breiten Thema, den sogenannten Orange Wines, da sie derzeit immer größere Bedeutung in der Weinwelt bzw. Gastronomie, vor allem als interessante Speisenbegleiter, erlangen.

Nun, was sind Orange Wines? Tatsächlich haben sie den Namen von ihrer teilweise bis ins bernsteinfarbene gehenden Farbe, die durch eine Maischegärung entsteht. Hierbei ist der Kontakt mit den Traubenschalen bzw. dem gesamtem Lesegut sehr lang, und der Wein bekommt so recht viel an Tanninen und Geschmackstoffen mit auf seinen Weg gegeben (zu unserer Freude :-).

Banal gesagt, sind Orange Wines naturbelasssene Weine, zu denen z.B. auch Weine aus biodynamischem Weinbau (dazu beim nächsten mal mehr) gehören, ungeschwefelt, ungeschönt, unfiltriert etc.!
Hierzu zählen mitunter Amphorenweine, über die ich beginnend erzählen möchte.

Amphorenweine, deren Herstellung in sogenannten Quevris (Quevri/Qvevri – georgisch für Amphore) erfolgt, stammen ursprünglich aus Georgien, im Speziellen aus der Region Kachetien, und sind bis zu !5000! Jahre zurück zu verfolgen, deswegen wird dem ehemaligen Sowjetstaat auch der Ursprung des Weinbaus nachgesagt, zumindest von antiken griechischen Geschichtsschreiberlingen :-), manche bezeichnen jedoch Persien als das Ursprungsland des Weines.

Wie geht das nun vonstatten? Die Amphore (kann bis zu 35 Hektolitern fassen) wird in der Erde vergraben, teils sogar für Monate, und die normalerweise übliche Spontangärung (durch Naturhefen, nicht Reinzuchthefen) findet nahezu unter komplettem Sauerstoffausschluss statt, einzig Mikrooxidation lässt den Wein langsam reifen. Hinzu kommt, dass durch das Vergraben während der Reifung der Wein mithilfe der Mikrooxidation die Aromen und Mineralik der umliegenden Erde aufnimmt – klingt komisch, ist aber so. Das eröffnet dem Winzer natürlich die Möglichkeit, direkten Einfluss auf die Weinwerdung durch die Lage und die Tiefe der Amphore zu nehmen.

Keine Sorge, der Wein schmeckt nicht nach Erde (wurde ich tatsächlich schon mal gefragt!!). Es sei nur soviel gesagt, Amphorenweine bedürfen offenherziger Konsumenten, da sie den Geruchs- und Geschmackssinn der Weinfreunde außerordentlich auf die Probe stellen können, und es scheiden sich die Geister teils extrem. Das Aromenspektrum ist aber viel zu breit, um es hier nur annähernd beschreiben zu können. Deswegen untenstehend ein paar Produzenten bzw. Händler, bei denen Sie fündig werden, um sich in das spannende Thema Amphorenweine hinein zu kosten.

Amphorenweine sind im Übrigen keine ausschließliche georgische Eigenheit mehr, sie werden mittlerweile auch z.b. in Slowenien, Kroatien, Italien oder Österreich produziert. Und es ist absehbar, dass sich diesem Trend weitere Länder bzw. Produzenten anschließen werden. Warum sich also nicht im Sinne des (Wein)Fortschritts weiterbilden, und die älteste Weinstilistik der Welt kennenlernen. Prost, ich reiß` mir jetzt `ne Flasche Amphorenwein vom Ott auf 😉

Vinophile Grüße
Ihr Patrick Hopf

[pfh]

Leidenschaft Wein – mein erster Blog :-) Anfang 2011

Hier der Link dazu.

SPEISING Open

05.04.11 @ 14:25

Leidenschaft Wein

Heute möchte ich etwas über den sehr interessanten Vorgang, nämlich die Entstehung eines Weines bzw. Cuvees (als Nichtwinzer lasse ich die Arbeit im Weinberg hier mal weg), erzählen.

Die Vorgeschichte:

Einem lieben Freund, Winzer, Oenologe und Weinakademiker Konrad Hackl, auch bekannt durch sein jährlich erscheinendes Buch „Weinkaufen im Supermarkt“, welches er zusammen mit dem ebenso bekannten Gastronomiejournalisten Alexander Jakabb verfasst, brachte ich meine Idee einer eigenen exklusiven Weinlinie für das RieGi nahe (die Idee an sich ist ja nichts besonderes, gibt es ja bereits, nur eben mit dem Novum, das der Sommelier, sprich ich, mitwirkt, und diesem Wein eine persönlich Note verleiht). Ende 2010, nach der Ernte, war natürlich klar, das der Jahrgang 2009 ein wirklich guter zu werden scheint. Da Konrad Hackl selbst nur kleine Rebflächen, insgesamt nur ca. zwei Hektar, in der Wachau, dem Kremstal und am Neusiedlersee besitzt, die allesamt ausschließlich mit Grünem Veltliner, Riesling und Pinot Noir bepflanzt sind, ergab sich ein Problem, da es für mich ein Chardonnay sein musste, die klassische Vorzeigerebe (manche schimpfen sie leider auch Allerweltsrebe, in englischsprachigen Ländern gibt es sogar den Spruch „ABC- anything but Chardonnay) schlechthin, und als Premiere eines eigenen, selbst mit kreierten Weines sollte es etwas schnell und leicht Zugängliches sein, also nicht grade eine der autochthonen Rebsorten wie Rotgipfler oder Neuburger (deren Fan ich aber unbestritten bin), die ja gerade, dank sehr fähiger Winzer, eine leichte Renaissance erleben.

Da aber der liebe Konrad keinen Chardonnay hat, wandten wir uns an seinen Freund und ehemaligen Kollegen Josef Edlinger aus Palt im Kremstal (Kellermeister beim früheren Weingut Dr. Unger, zusammen mit Konrad Hackl als GF), der eine tolle Bandbreite an Weißweinen hat, und eben auch tolle Lagen Chardonnay. Das Ergebnis dieses Jointventures war von vornherein klar- es sollte ein im Barrique ausgebauter Chardonnay werden, jedoch nur mit minimalen Holzeinsatz, gerade so, um ihm eine lange Lebensdauer, aber trotzdem einen raschen Trinkgenuss einzuhauchen. Es folgten im zwei-Wochenintervall Fassprobenverkostungen um seine Entwicklung zu verfolgen. Nur nebenbei, einen Wein, egal welcher Rebsorte oder Herkunft, kann man nur in ein Fass stecken, wenn sein Potential und Körper das zulässt. Dass sah bei unserem Chardonnay wie folgt aus: eine stahlige, fruchtige Mineralität, mit imensem Körper und einer Dichte, die als Jungwein Ihresgleichen suchte. Außerdem kamen noch die 21 Grad KMW hinzu, die ihm nun im Endergebnis stolze 14% alc. verliehen. Nach einer gewissen Reife im Fass, so ca. nach drei Monaten, bemerkten wir erst richtig das enorme Potential dieses Weines, und den Charme, den ihm das Fass schon jetzt mitgab. Wir beschlossen, ihm noch drei weitere Monate zu geben, und verkosteten regelmäßig. Tja was soll ich sagen, nach acht Monaten im 300 Liter Barrique (400 exklusive Flaschen) durfte unser Baby das Licht der Welt erblicken, und wir waren begeistert, trotz des neuen Barriques war er bereits erstaunlich zugänglich, feine Röstaromen im Anklang, Nüsse, etwas Orange und Orangenschale am Gaumen, mineralisch, sehr burgundisch im Charakter, cremig, charmant, dezentes Karamel im Abtrunk, also einfach toll und genauso wie ich ihn mir vorgestellt hatte.
Nur der Vollständigkeit halber möchte ich Winzer Karl Alphart zitieren: „Ich hätte ihn nicht anders gemacht, ein toller Chardonnay“. Kann es ein größeres Lob geben? Da gewinnt der Begriff Hauswein doch eine ganz andere Bedeutung als die Doppler Valpolicella im Italiener ums Eck.
So viel zur Vorgeschichte.

Main Course

Durch den Erfolg und die tolle Qualität des Weines beschloss ich, uns stünde auch ein eigener Rotwein gut zu Gesicht.
Gesagt, getan, 2009er Fassproben her, wiederum vom Herrn Edlinger, da es ein Cuvee werden sollte, und der liebe Konrad ja nur Pinot Noir hat, allesamt seit, damals (Jänner 2011), bereits 12 Monate im neuen Barrique. Im Speziellen 2009 Merlot, Cabernet Sauvignon und Zweigelt, aus Rieden rund um Palt im Kremstal. Hier gilt natürlich dasselbe wie vorhin erwähnt, einen Wein ohne Potential macht man nicht besser, wenn man ihn ins Fass steckt (hier sind die Eichenchips-verseuchten billig-Kalifornier zu erwähnen, aus dem Supermarkt um 4 €).
Klar war wieder, das eben als 2009er die Weine zumindest eine solide Basis haben, die wir attestieren konnten, nach der Verkostung der Fassproben. Es folgte ein langwieriger Prozess von mehreren Stunden, zusammen mit Konrad Hackl, um mögliche Verhältnisse der einzelnen Sorten vorläufig auszuloten. Wir einigten uns schließlich auf drei mögliche Varianten: 50% Merlot, 30% Zweigelt, 20% Cabernet Sauvignon – dann 45% Merlot, 45% Cabernet S., 10% Zweigelt – und schließlich 50% Zweigelt, 40% Cabernet S., 10% Merlot.
Wir beschlossen, dem Wein noch weitere zwei Monate in den neuen Barriques (300L) zu geben, und dann unsere Favoriten erneut zu cuveetieren und zu kosten. Hier muss man sagen, welche Richtung man dem Wein mitgeben will. Soll er lagerfähig mit Tiefe und schwerem, tanninigem Gerüst und mächtigem Charakter werden, soll er relativ früh trinkbar und zugänglich sein, aber trotzdem etwas Lagerpotential und einen eleganteren Charakter besitzen, oder soll er gefällig, unkompliziert und trinkfreudig sein, ohne größeres Lagerpotential.
Wir entschieden uns für die zweite Variante, da es natürlich Sinn macht, den Wein schon dieses Jahr mit etwas Belüftung trinken zu können; es ist ja schließlich unser Hauscuvee, und neugierig bin ich auch schon, so wie viele unserer Gäste.
Die nun insgesamt 14 Monate (im März 2011) im Fass ließen den Merlot charmanter und eleganter werden, dem Cabernet S. nahmen sie noch etwas von seinen mächtigen Tanninen, und dem Zweigelt gaben sie eine wunderbar harmonische Fruchtigkeit, die perfekt zu seiner sonst eher vordergründigen Säure passte. Also wurden es 50% Merlot, 30% Zweigelt und 20% Cabernet S..
Der Merlot gibt ihm die Eleganz und Struktur, der Zweigelt macht ihn angenehm fruchtbetont und schneller zugänglich, und der Cabernet S. gibt ihm das nötige lagerungspotente Gerüst, und den tiefen, molligen Charakter.
Ein Traum, und wir freuen uns alle schon auf die erste gefüllte Flasche, um ihn auch beschreiben zu können, nachdem er etwas Flaschenreife erlangt hat; die Etiketten sind bereits in Arbeit.

Man könnte sagen, ein gelungenes Jointventure zwischen drei qualitätsorientierten, Ihren Beruf liebenden und lebenden, ein klein wenig verrückten und innovativen Menschen, die alle drei Eines verbindet: Die Liebe zum wohl vielfältigsten, interessantesten und wunderbarsten Lebensmittel, dem Wein.

Und mit dem Jahrgang 2011 wird es auch einen Muskateller geben (braucht man heutzutage). Zu verkosten sind alle Weine natürlich jederzeit gerne bei uns im RieGi.

Liebe vinophile und kulinarische Grüße aus dem ersten Wiener Gemeindebezirk.

Euer Patrick Hopf